Sieben Kriterien
Wenn eine religiöse Schrift einen Göttlichen Ursprung für sich in Anspruch nimmt – und bekanntlicher Weise gibt es eine Vielzahl solcher – sollte diese Schrift Kriterien verschiedener Art erfüllen. Kriterien beispielsweise, die dem Verstand nicht zuwiderlaufen. Diese Abhandlung befasst sich mit sieben solcher Kriterien und erhebt dabei nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.
Authentizität
Der Qur'an ist eine unveränderte und in diesem Sinne Authentische Schrift (siehe „Koran“ – was ist das?). Es gibt nur einen Qur'an – den in arabischer Sprache. Folglich spielt es keine Rolle, ob ich mir in Togo oder in China, ob in den USA oder in Deutschland einen Qur'an erwerbe, um darin zu lesen: Er wird mit „Bismillahir-Rahmanir-r-Rahim“ (Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen) anfangen und an jeder anderen Stelle mit den anderen vollkommen übereinstimmen. Im Qur'an sagt Allah, dass er selbst der Hüter über den Qur'an sein wird, sodass er keine Änderung erfahren kann:
„Gewiss, Wir sind es, die Wir die Ermahnung offenbart haben, und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein.“ (Sure 15/9)
Die Erkenntnis über die Unverfälschtheit des Qur'an wird übrigens auch von der modernen Orientalistik bestätigt. Als Beispiel sei Prof. Dr. Heinz HalmHalm, Heinz: Der Islam, Geschichte und Gegenwart, 5. aktualisierte Auflage, München 2005, S. 14. genannt, der in einem seiner Werke zum Qur'an im Jahre 2004 folgendes schrieb:
„Diese Überlieferung (der Qur'an) wird auch von der modernen kritischen Wissenschaft durchweg akzeptiert; vereinzelt geäußerte Zweifel an der Authentizität des Korans haben sich nicht durchgesetzt.“
Unnachahmlichkeit
Gleichzeitig muss eine Schrift, die für sich einen göttlichen Ursprung beansprucht, unnachahmlich sein. Kein Mensch, ja, kein erschaffenes Wesen, darf dazu in der Lage sein, eine ähnliche Schrift zu verfassen. Der Koran beschreibt sich und seine Unnachahmlichkeit wie folgt:
„Oder sagen sie etwa: „Er hat ihn sich selbst ausgedacht“? Nein! Vielmehr glauben sie nicht. So sollen sie doch eine Aussage gleicher Art beibringen, wenn sie wahrhaftig sind“ (Sure 52:33-34)
„Oder sagen sie: „Er hat ihn ersonnen“ Sag: Dann bringt doch zehn ersonnene Sūren bei, die ihm gleich sind, und ruft an, wen ihr könnt, außer Allah, wenn ihr wahrhaftig seid. Und wenn sie euch nicht erhören, dann wisset, dass er nur mit Allahs Wissen herabgesandt worden ist und dass es keinen Gott gibt außer Ihm? Werdet ihr nun (Allah) ergeben sein?“ (Sure 11:13-14)
„Und wenn ihr im Zweifel über das seid, was Wir Unserem Diener offenbart haben, dann bringt doch eine Sūra gleicher Art bei und ruft eure Zeugen außer Allah an, wenn ihr wahrhaftig seid!“ (Sure 2:23)
Sprache
Ein weiteres Kriterium verbirgt sich in der Sprache des Textes. die Sprache des Qur'ans – das Arabische – ist bis heute lebendig geblieben. Allah sagt im Qur'an:
„Wir haben es ja zu einem arabischen Qur'an gemacht, auf dass ihr begreifen möget;“ (Sure 43/3)
Interessant sind die Eigenschaften der Wortes „araba“. Im Kontext des oben genannten Verses hat sich der Übersetzer dazu entschieden, das Wort „araba“ mit „arabisch“ zu übersetzen: „Wir haben es ja zu einem arabischen Qur'an gemacht...“ Gleichzeitig ist die linguistische Bedeutung von „araba“ auch „Kristallklar“. Somit lässt sich der Vers auch mit: „Wir haben es ja zu einem kristallklaren Qur'an gemacht, auf dass ihr begreifen möget;“ übersetzen.
Erlauben wir uns an dieser Stelle einen Vergleich mit der Bibel, stellen wir fest, dass Jesus selbst (Friede sei mit ihm) in aramäisch predigte, wohingegen die erste Bibel auf griechisch verfasst wurde. Das Aramäische gehört heute zu den toten Sprachen – sie existiert faktisch nicht mehr als aktiv gesprochene Sprache eines Volkes und wird nur noch von wenigen Wissenschaftlern beherrscht. Die Sprache des Qur'an ist hingegen lebendig, kristallklar, und lässt sich auch heute noch verstehen, obwohl sie über 1400 Jahre alt ist. Die besondere Betonung dieses Aspektes liegt in der Tatsache begründet, dass sich Sprachen ständig verändern. Als Beispiel für eine solche Veränderung sei Goethe erwähnt. Würden wir manche seiner Schriften in einem Museum lesen wollen, hätten wir wahrscheinlich bei so mancher Schwierigkeiten, den Text vollständig zu verstehen. Und dies, obwohl dieser in deutscher Sprache verfasst wurde. Sprachen verändern sich also. Und am Beispiel des Aramäischen lässt sich veranschaulichen, dass sich Sprachen bisweilen so sehr verändern, dass sie heute zu den toten Sprachen gehören. Komme ich wieder auf die Bibel zurück, ist es nun leicht nachvollziehbar, dass sich auch das Griechische von vor 1800 Jahren unglaublich viele Male verändert haben muss, wie sich auch das Deutsche in nur 200 Jahren verändert hat.
Religionsverkünder
Von ebenso bedeutender Wichtigkeit ist die Analyse des Verhaltens und Auftretens der Religionsverkünder. Die Propheten müssen sich vollständig ihrer Lehre hingeben. Ihr Leben darf nicht im Widerspruch zu ihrer Verkündung stehen. Wir lesen im Qur'an:
„Sag: Wenn ihr Allah liebt, dann folgt mir. So liebt euch Allah und vergibt euch eure Sünden. Allah ist Allvergebend und Barmherzig.“ (Sure 3:31)
Und Aischa, die Frau des Propheten, sagte in Bezug auf das Leben Muhammads:
„Er (der Prophet, Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) ist der wandelnde Qur'an.“
Die Lebensweise Muhammads war und ist Anlass für viele westliche Denker, oder intellektuelle überhaupt, voll Begeisterung über den Verkünder des Islam zu sprechen. Namen wie Johann Wolfgang Goethe oder Mahatma Gandhi seien an dieser Stelle erwähnt. Goethe war fasziniert vom Islam dem Propheten Muhammad und Brachte mit dem West-Östlichen Divan ein weltberühmtes, 12 Bände umfassendes, Werk hervor, dem Gedichte ähnlich jenem entsprangen:
„Jesus fühlte rein und dachte Nur den Einen Gott im Stillen; Wer ihn selbst zum Gotte machte kränkte seinen heil'gen Willen. Und so muß das Rechte scheinen Was auch Mahomet gelungen; Nur durch den Begriff des Einen Hat er alle Welt bezwungen.“ (WA I, 6, 288 ff)
Auf zweiteren, Mahatma GandhiMahatma Gandhi (1869-1948) Führer der indischen Unabhängigkeitsbewegung : The Genuine Islam, Singapore, Vol. 1, No. 8, 1936, (YOUNG INDIA) , geht folgendes Zitat zurück:
„Ich wollte etwas erfahren über einen der Besten, welcher heute unbestritten Einfluss hat auf die Herzen von Millionen Menschen... Und ich gelangte immer mehr zu der Überzeugung, dass es nicht das Schwert war, welches in jenen Tagen für den Islam einen Platz gewonnen hat im Bauplan dieser Welt. Es war die strikte Einfachheit, die äußerste Bescheidenheit des Propheten, die gewissenhafte Einhaltung seiner Versprechen, seine intensive Hingabe an Freunde und Nachfolger, seine Furchtlosigkeit, sein absolutes Vertrauen in Gott und seine eigene Mission. All dies und nicht das Schwert war das tragende Fundament und überwand jedes Hindernis. Als ich den zweiten Band (der Biographie des Propheten) abschloss, bedauerte ich, dass ich nicht noch mehr lesen konnte über dieses großartige Leben.“
Neben diesen gibt es eine Vielzahl anderer, die sich mit dem Leben des Propheten Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) beschäftigten und zu ähnlichen Ergebnissen ihrer Suche kamen. (Siehe Nichtmuslime über den Islam)
Ein Beispiel für seine beispiellose Lebensführung ist die Überlieferung, nach der Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) in einer einfachen Hütte lebte und auf einer Palmfasermatte schlief, welche Abdrücke auf seinem Körper hinterließ. Und das in einer Zeit, in der er Herrscher über halb Arabien war. Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) bereicherte sich zu keiner Zeit seines Lebens an seiner Lehre. Auch „war er mächtiger als je ein Herrscher vor oder nach ihm – denn die Menschen gehorchten ihm aus Liebe – doch blieb er immer ein einfacher, umgänglicher Zeitgenosse. Ein kleines Mädchen konnte kommen und ihn aus seiner aktuellen Gesellschaft herausreißen, weil sie gerade etwas in ihren Augen sehr wichtiges auf dem Herzen hatte. Und wenn es darum ging, Essen vorzubereiten, übernahm er gerne seinen Teil und ging zum Beispiel Brennholz sammeln. Und auch der Koran behandelte ihn mitunter als fehlbaren Menschen und tadelte ihn, wenn er Fehler beging. So zum Beispiel, als er sich einmal in der Hoffnung, die Herzen einflussreicher Männer für den Glauben zu gewinnen, von einem blinden Glaubensbruder abwendete. Muhammad (saw) war und blieb zeitlebens ganz und gar Mensch: „Verherrlicht mich nicht wie die Christen den Messias, den Sohn der Maria, verherrlichten, sondern sagt Diener Gottes und Sein Gesandter.“ Es war ihm nichts lieber und keine Bezeichnung war ihm gefälliger als „Diener Gottes“. Keine Tätigkeit liebte er mehr als das Gebet, keine Gesellschaft war ihm lieber als die Gottes, und in ihr verbrachte er nach seiner Berufung wohl den größten Teil seines Lebens. Vor allem betete er nachts sehr lang. Einmal sah Aischa (seine Ehefrau), dass seine Füße vom vielen langen Stehen im Gebet Risse in der Haut bekommen hatten, und fragte ihn, warum er sich das antue: „Hat Gott dir denn nicht deine vergangenen und künftigen Fehler vergeben?“ Er antwortete: „Soll ich denn kein dankbarer Diener sein?“ Dies entspricht eher dem Gesamtbild, das man von Muhammad gewinnt, wenn man den Koran und die vielen Überlieferungen über ihn liest.“ *http://muhammad.islam.de/7459.php
Wissenschaft
Die Inhalte eines Buches, welches Göttlichen Ursprung für sich beansprucht, dürfen nicht im Widerspruch zur Wissenschaft stehen. (Siehe Koran und Wissenschaft) Wir lesen im Koran in der Sure (Kapitel) 21, Vers 30:
„Haben diejenigen, die Kufr (Allah etwas beigesellen) betrieben haben, nicht gesehen, dass die Himmel und die Erde eine Einheit waren, die Wir dann zerteilten? Und Wir machten aus dem Wasser alles Lebendige. Wollen sie denn nicht glauben?“
Dieser Vers ist ein Beispiel für ein 1400 Jahre altes Zeugnis, welches durch die moderne Wissenschaft Bestätigung findet Das Universum war in seinem Ursprung eine zusammenhängende Masse. Ebenso ist wohl die wissenschaftliche Erkenntnis, dass alles Leben ursprünglich aus dem Wasser stammt, nicht mehr aus unseren Schulbüchern wegzudenken.
Für diese Abhandlung soll der oben angeführte Vers genügen. Der Leser möge sich vor Augen halten, dass der Koran vor 1400 Jahren, in einer Zeit, in der die Menschen an Dämonen und Mythen glaubten, herabgesandt wurde.
An alle
Das vorletzte Kriterium bezieht sich auf die Adressaten der Botschaft. Die göttliche Offenbarung muss an alle Menschen gerichtet sein. Sie darf sich nicht ausschließlich an ein bestimmtes Volk richten, das dadurch eine Vorrangstellung vor anderen Völkern erhält. Dem Aufmerksamen Leser des Koran wird aufgefallen sein, dass es an vielen Stellen heißt: „O ihr Menschen“, nicht „O Volk von hier, O Volk von da...“ Und auch Mohammad (saw) selbst ist als „Barmherzigkeit für die Menschen“ gesandt worden, wie es uns Allah(t) im Qur'an sagt. Hier zwei Beispiele:Weitere Beispiele: 2:21, 4:1, 7:158, 17:70, 22:5 uvm.
„O ihr Menschen, zu euch ist nunmehr eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für das, was in den Brüsten ist, eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen.“ (Sure 10:57)
„O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.“ (Sure 49:13)
Widerspruchsfreiheit
Die Widerspruchsfreiheit als letztes Kriterium dieser Abhandlung meint, dass sich die Inhalte jenen Buches nicht widersprechen dürfen. Weder Widersprüche wissenschaftlicher Natur noch dürfen sich verschiedene Textstellen in sich widersprechen. Darüber finden wir im Qur'an:
„Denken sie denn nicht sorgfältig über den Qur'an nach? Wenn er von jemand anderem wäre als von Allah, würden sie in ihm wahrlich viel Widerspruch finden.“ (Sure 4/82)
Und nun?
Für den Kritischen Leser sollen diese sieben Kriterien sieben Gründe sein, sich dem Studium des Islam und anderer Religionen zu widmen und sie miteinander zu vergleichen. Als Kritikfolie bitte ich die genannten Punkte zu Rate zu ziehen und sie als Schablone zu nutzen. Des Weiteren sollen alle auf dieser Seite veröffentlichten Texte – nicht nur dieser – hinterfragt werden. Dies hilft dem Leser Wahrhaftigkeit in den Worten zu finden zum einen und uns – durch konstruktive Kritik und Diskussion – die Inhalte zu verbessern, zu ergänzen etc. zum anderen.

