"Koran" - was ist das?
„Wahrlich, zu euch sind ein Licht von Allah und ein klares Buch gekommen. Damit leitet Allah jene, die Sein Wohlgefallen suchen, auf die Wege des Friedens, und Er führt sie mit Seiner Erlaubnis aus den Finsternissen zum Licht und führt sie auf einen geraden Weg.“ (Koran 5:15-16)
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Definition
2.1. Sprachliche Bedeutung
2.2. Qur'anwissenschaftliche Bedeutung
3. Herabsendung
3.1. Stärkung des Gesandten
3.2. Antwort auf Einwände der Nichtmuslime
3.3. Erzieherischer Effekt auf die Gemeinschaft
4. Aufbau des Qur'an
5. Inhalte des Qur'an
5.1. „Der Tauhid und andere Iman-Inhalte
5.2. Gleichnisse und Prophetengeschichten
5.3. Beschreibungen der Schöpfung
5.4. Normgebende Verse
5.5. Die Sunna des Propheten
6. Authentizität
7. Prozess der Buchwerdung
7.1. Vor der Zusammenstellung
7.2. Grund für die Zusammenstellung
7.3. Die Methodik
8. Über den Ursprung des Qur'an
9. Qur'anübersetzung
10. Kriterien für eine qualifizierte Qur'an-Auslegung
11. Empfehlung
12. Quellen
1. Einleitung
In dieser Abhandlung soll der Koran (Qur'an) – der neben der Sunna (siehe Sunna und Hadithe) die erste Grundlage des Islam bildet – vorgestellt werden; ein Buch, von dem über ein sechstel der Menschheit überzeugt ist, dass es Wort für Wort, Silbe für Silbe die Offenbarung Gottes ist. Ein Buch, dessen Verse von Jung und Alt, ob in der Wüste, im Dschungel oder in der Großstadt lebend, auswendig gelernt, rezitiert, studiert und verehrt werden. Mit den Worten RassoulsRassoul, Muhammad: Tafsir, Al-Quran Al-Karim. Arcelmedia, S.22 :
Das heilige Buch, der Qur'an, ist das Wort Allahs; das Einzige, das seit seiner Offenbarung unverfälscht und vollkommen erhalten geblieben ist. Kein anderes Buch in der Menschheitsgeschichte wird soviel gelesen, zitiert und auswendig gelernt wie der Qur'an. Es gibt auch kein anderes Buch im menschlichen Dasein, das in gleichem Maße das Leben des Einzelnen, der Familie und der Gesellschaft geprägt hat. Und es gibt kein Buch, das die Menschheit jemals gekannt hat, dem Richtigkeit, Glaubwürdigkeit und Treffsicherheit in allen seinen Worten und Aussagen so eigen sind, wie dem Qur'an; denn er ist das vollkommene Werk des Schöpfers.“
Aber was bedeutet eigentlich „Qur'an“, was sind seine Inhalte, wie hält es sich mit seiner Authentizität und vor allem: was ist es, was den Qur'an so besonders macht? Diese und andere Fragen werden in diesem Text versucht zu beantworten.
2. DefinitionVgl. Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.
Sprachliche Bedeutung
Zur sprachlichen Bedeutung des Wortes „Qur'an“ (gesprochen: „Qur'aan“) lassen sich zwei Meinungen Anführen, die aus islamischem Selbstverständnis von Relevanz sind. Imam Aschschafii, ein großer Gelehrter der islamischen Geschichte, und andere verstehen das Wort „Qur'an“ als einen Eigennamen, der sich aus keinem anderen Wort ableiten lässt. Andere Gelehrte sehen die Möglichkeit einer Ableitung aus den Wörtern „qarana“ (etwas „zusammenbringen“) oder „qara'a“ („vortragen“, „rezitieren“).
Qur'anwissenschaftliche Bedeutung
Die quranwissenschaftliche Bedeutung von „Qur'an“ ist: Allahs Offenbarung, die Er selbst verfasste, von dem Engel Jibril (im Deutschen bekannt als Gabriel) an Muhammad (Allahs Segen und Frieden seien auf ihm) überbracht, der sie den Menschen rezitierte; begleitet von der Herausforderung an die ableugnenden Menschen, ähnliches zu vollbringen. (siehe Sieben Kriterien)
3. HerabsendungVgl. Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.
„Und Wir haben den Qur'an in Abschnitten offenbart, damit du ihn den Menschen in Ruhe verlesen mögest, und Wir sandten ihn nach und nach hinab.“ (17:106) Der Qur'an wurde nicht als ganzes, also nicht in Form eines fertigen Buches, dem Propheten übermittelt. Vielmehr wurde er sukzessiv, also Stück für Stück, innerhalb von 23 Jahren herabgesandt. Die Frage, warum alle Inhalte sukzessiv und nicht sofort herabgesandt wurden, beantwortet Allah im Qur'an. Er nennt hierfür drei Gründe, die im Folgenden ausführlicher erläutert werden. Hier jedoch erst mal der Vers:
„Und jene, die glaubensverweigerer sind, sprechen: «Warum ist ihm der Koran nicht auf einmal herabgesandt worden?» Dies, damit Wir dein Herz dadurch stärken möchten, und Wir haben seine Anordnung recht gut gemacht. Sie legen dir keinen Einwand vor, ohne dass Wir dir die Wahrheit und die schönste Erklärung brächten.“ (25:32-33)
3.1. Stärkung des Gesandten
Zum einen wird die Stärkung Muhammads erwähnt. Die einzelnen Offenbarungen gaben Muhammad Trost und Zuversicht in schwierigen Zeiten. Sie waren wie ein unterstützender Wegbegleiter durch all die Prüfungen in den 23 Jahren seiner Sendung.
3.2.Antwort auf Einwände der Nichtmuslime
Während der gesamten Zeit der Offenbarung gab es immer wieder Nichtmuslime, die Einwände gegen der Qur'an erhoben und seine Authentizität anzweifelten. Durch die sukzessive Herabsendung konnte Muhammad auf alle diese Einwände eingehen, sodass die Fragesteller direkt erleben konnten, wie all ihre Scheinargumente durch die antwortenden Verse des Qur'an entkräftet wurden. Deswegen sagt Allah im Qur'an:
„Sie legen dir keinen Einwand vor, ohne dass Wir dir die Wahrheit und die schönste Erklärung brächten.“ (25:33)
3.3. Erzieherischer Effekt auf die Gemeinschaft
Auch verbarg sich hinter der sukzessiven Herabsendung ein erzieherischer Aspekt. Die folgende Überlieferung durch Aischa, die Frau des Propheten, soll als Beispiel hierfür genügen:
„Wahrlich, zuerst wurden die kurzen Suren offenbart, in denen das Paradies und das Feuer erwähnt waren. Als dann die Leute den Islam annahmen, wurde das Erlaubte und Verbotene offenbart. Wenn das erste, was offenbart wurde: „Trinkt nichts Berauschendes“, gewesen wäre, dann hätten die Leute gesagt: „Niemals werden wir unseren Alkohol verlassen“, und wenn das erste, was offenbart wurde: „Begeht keinen Ehebruch und Unzucht“, gewesen wäre, dann hätten die Leute gesagt: „Niemals werden wir damit aufhören.““
4. Aufbau des Qur'anVgl. http://www.islam-pedia.de/index.php5?title=Quran
Der Qur'an besteht aus 114 Suren (Kapiteln) und über 6200 einzelnen Versen (arab.: Ayat). Von den 114 Suren fangen 113 mit der Basmala (Bismillah-ir-Rahman-ir-Rahiem, „Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen“) an. Sure 9 „At-Tauba“ („die Reue“) macht die einzige Ausnahme.
Abgesehen von der ersten Sura, dem einführenden Kapitel des Qur'an, sind die Kapitel, wenn auch z.T. grob, nach deren Größe, und zwar kürzer werdend, angeordnet, so dass Sura zwei aus fast 300 Versen besteht, wohingegen die 114. Sura – das letzte Kapitel des Qur'an – über lediglich 6 Verse verfügt.
Die schriftlichen Fixierungen des Qur'an in Buchform haben je nach Schriftart etwa 600 Seiten und sind abgesehen von der Schrift- bzw. Lesart und teilweise der Nummerierung der Verse ausnahmslos und weltweit alle identisch.
5. Inhalte des Qur'anSuleiman, Samir: Der Islam muss kein Rätsel sein : Aachen. Shaker Media 2009, S. 137-139
5.1 „Der Tauhid und andere ImanAnm. islamkennenlernen.de: Iman ist, dass du an ALLAH glaubst, an Seine Engel, an Seine Bücher, an Seine Gesandten, an die Auferstehung und an das Schicksal. (Überlieferung des Gesandten ALLAHS, Mohammad (saw)). In diesem Zusammenhang meint dies „Glaubensihinhalte“-Inhalte
Eine der Hauptaussagen des Qur'an besteht im Tauhid, also im Bezeugen der Existenz des einen und einzigen wahren Schöpfers, dem Herrscher und Lenker des Universums, der im Arabischen den Namen Allah (anm. islamkennenlernen.de: siehe Gottesbegriff im Islam) trägt.
Nur Allah alleine besitzt das Recht, angebetet zu werden. Jegliche Form der Beigesellung (arab.: Schirk) neben Allah wird vom Islam abgelehnt. Eine schier endlose Zahl Qur'anischer Verse weist auf den Tauhid hin. So heißt es beispielsweise in Surat Al-Ichlas (112) in sinngemäßer Übersetzung:
Mit dem Namen Allahs, des Allerbarmers, des Allgnädigen Sprich: „Er ist Allah, der ein Einziger (1) Allah, der absolut Unabhängige, von dem alles abhängt (2) Er zeugt nicht und Er ist nicht gezeugt worden (3) Und es gibt niemanden und nichts, das Ihm gleicht.“ (4)
Neben dem Tauhid beinhaltet der Qur'an weitere „Glaubens-“ bzw. Iman-Inhalte, so etwa die Nennung von Propheten vor Muhammad oder den häufigen Hinweis auf das Jüngste Gericht, bei dem die Menschen allesamt vor ihrem Schöpfer versammelt werden. (...)
5.2. Gleichnisse und Prophetengeschichten
Neben den Iman-Inhalten befinden sich im Qur'an außerdem viele Gleichnisse und Prophetengeschichten. Diese haben oftmals erzieherischen Charakter für die Menschen und machen sie immer wieder auf den eigentlichen Sinn ihrer Existenz, nämlich die Ergebenheit und Hingabe in Allah aufmerksam.
5.3. Beschreibungen der Schöpfung
Zu Beschreibungen der Schöpfung gehören verschiedene qur'anische Aussagen zu allen nur denkbaren Schöpfungsbereichen, so etwa (...) zu kosmologischen, physikalischen, geologischen, chemischen, ozeanologischen oder auch anatomischen Phänomenen. Im Zuge dieser Beschreibungen fordert der Qur'an die Menschen immer wieder dazu auf, über die Schöpfung nachzusinnen und die Existenz und die Allmacht ihres Schöpfers zu erkennen.
5.4. Normgebende Verse
Des Weiteren befinden sich im Qur'an so genannte normgebende Verse (arab.: Ayat muh'kamat). Jedoch haben nur ca. 8% aller qur'anischen Verse normgebenden Charakter, wobei es sich bei diesen außerdem nur selten um tatsächliche Rechtsnormen handelt, sodass der Qur'an von manchen völlig zu Unrecht als ein „Gesetzbuch“ bezeichnet wird. Die überwältigende Mehrheit der Suren und Verse des Qur'an beschäftigen sich mit den oben erwähnten Aspekten, allen voran mit dem Tauhid. Die wenigen Normgebenden Verse beinhalten zum Beispiel die Pflichten zum rituellen Gebet, zur Entrichtung der Zakah oder zur Durchführung der Hadsch . Auch beinhalten sie die Pflicht zum rituellen Fasten im Monat Ramadhan (anm. islamkennenlernen.de: siehe Fünf Säulen des Islam), geben bestimmte Speisevorschriften vor oder treffen zum Beispiel Regelungen des Erb- und Familienrechts.
5.5. Die Sunna des Propheten
Neben dem Qur'an bildet die (..) Sunna die zweite Grundlage des Islam. Oft erfüllt sie dabei die Aufgabe, die wenigen im Qur'an genannten Regeln zu präzisieren und zu erläutern. So sind zum Beispiel der genaue Ablauf des rituellen Pflichtgebets (arab.: Salah) oder die genauen Regelungen der rituellen Wallfahrt (arab.: Hadsch) aus dem Qur'an alleine nicht ersichtlich. Erst durch die diesbezüglichen Aussagen und Handlungsweisen des Propheten Muhammad – seine Sunna – werden diese qur'anischen Gebote erklärt und verdeutlicht.“7
6. Authentizität
Der Qur'an ist eine unveränderte und in diesem Sinne Authentische Schrift. Es gibt nur einen Qur'an – den in arabischer Sprache. Folglich spielt es keine Rolle, ob ich mir in Togo oder in China, ob in den USA oder in Deutschland einen Qur'an erwerbe, um darin zu lesen: er wird mit „Bismillahir-Rahmanir-r-Rahim“ (Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen) anfangen und an jeder anderen Stelle mit den anderen vollkommen übereinstimmen. Im Qur'an sagt Allah, dass er selbst der Hüter über den Qur'an sein wird, sodass er keine Änderung erfahren kann:
„Gewiss, Wir sind es, die Wir die Ermahnung offenbart haben, und Wir werden wahrlich ihr Hüter sein.“ (Sure 15/9)
Die Erkenntnis über die Unverfälschtheit des Qur'an wird übrigens auch von der modernen Orientalistik bestätigt. Als Beispiel sei Prof. Dr. Heinz HalmHalm, Heinz: Der Islam, Geschichte und Gegenwart : München 2005, S. 14. genannt, der in einem seiner Werke zum Qur'an im Jahre 2004 folgendes schrieb:
„Diese Überlieferung (der Qur'an) wird auch von der modernen kritischen Wissenschaft durchweg akzeptiert; vereinzelt geäußerte Zweifel an der Authentizität des Korans haben sich nicht durchgesetzt.“8
Auch Theodor NöldeckeEncyclopaedia Britinnica, 9. Ausgabe, unter dem Stichwort "Qur'an", einer der bedeutendsten deutschen Orientalisten, hält fest:
„Die Bemühungen europäischer Gelehrter, die Existenz späterer Änderungen im Koran zu beweisen, sind gescheitert.“9
Ebenso Sir William MuirMuir, William: The Life of Mohammad from Original Sources : Adamant Media Corporation 2001, P. 28. , ebenfalls bedeutender Orientalist, kommt zu dem Schluss:
„Und wir glauben, dass der Koran so sicher das Wort Muhammads ist, wie die Muslime glauben, dass er das Wort Gottes ist.“10
7. Prozess der BuchwerdungVgl. Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.
Der Anspruch, ein Authentisches Buch zu sein, ist durch die moderne Orientalistik also mehrfach bekräftigt. Wie aber kann über einen Zeitraum von mehr als 1400 Jahren ein Schriftstück, das unzählige Male gedruckt, kopiert und in jeder erdenklichen Form vervielfältigt wurde, heute noch Wort für Wort identisch zur Erstversion sein? Dies wird durch die einzigartige Methodik gesichert, mit der der Qur'an seit seiner Herabsendung archiviert wurde und noch immer wird.
7.1. Vor der Zusammenstellung
Der Qur'an lag zum Zeitpunkt des Todes des Propheten bereits vollständig vor, niedergeschrieben auf den verschiedensten Materialien, wie Papyrus, Leder, Holzstücken, Palmenblättern, Knochen und flachen Steinen. Er war aber noch nicht in einem Werk zusammengefasst worden. Die lose Sammlung des Qur'an war bis zu diesem Zeitpunkt die sinnvollere Lösung für die Gemeinschaft, weil immer wieder neue Verse offenbart wurden, die zum Teil zu anderen Suren hinzugefügt werden mussten. Die Offenbarung hörte erst neun Tage vor dem Tod des Propheten auf. Erst nach seinem Tod machte es Sinn, den Qur'an in einem Buch zu sammeln, weil die einzelnen Suren nun vervollständigt waren.
7.2. Grund für die Zusammenstellung
Nach dem verscheiden des Propheten wurde Abu Bakr von der Gemeinschaft zum Führer der Gläubigen gewählt. Seine zweijährige Amtszeit zeichnete sich durch eine Vielzahl schwieriger Aufgaben aus. Eine dieser Aufgaben bestand in den schweren Kämpfen in Yamaama. Viele der Bewahrer des Qur'ans – also jenen, die ihn auswendig kannten – fielen in dieser Schlacht als Märtyrer. Die Angst, dass der Qur'an verloren gehen könnte, veranlasste Abu Bakr zu der Idee, den Qur'an in Form eines gebundenen Buches zusammen zu fassen.
7.3. Die Methodik
Um dieses Vorhaben zu realisieren, musste eine Methode zur Anwendung kommen, die im Nachhinein keinen Anlass zum Zweifel an der Authentizität des Qur'ans geben durfte. Folgende Punkte wurden vor dem Hintergrund berücksichtigt, dass zum einen der Qur'an bereits vollständig auf verschiedenen Medien Suren- und Versweise vorlag (siehe oben) und zum anderen von einem Großteil der Gemeinde vollständig memoriert wurde:
- Mit der Leitung der Zusammenstellung wurde Zaid ibn Thabit beauftragt. Gründe für diese Wahl lagen in seinem jungen Alter, seiner Intelligenz und seiner Position als bevorzugter Schreiber des Propheten, wenn es darum ging, neu offenbarte Verse aufzuschreiben. Zudem kannte er den kompletten Qur'an auswendig und war für sein Tugendhaftes Leben bekannt.
- Die gesamte muslimische Gemeinde wurde aufgefordert, all ihre Schriftstücke, die mit Qur'anversen beschriftet waren, in der Moschee – dort fand die Zusammenstellung statt – abzugeben. Jedoch wurde nur von dem das Schriftstück akzeptiert, der zwei Zeugen bringen konnte, die bestätigten, dass er die notierten Verse vom Propheten selbst diktiert bekommen hatte. War das Schriftstück durch das Diktat irgendeines Gefährten angefertigt worden, war es für den Zweck der Zusammenstellung unbrauchbar. Zaid sollte die akzeptierten Schriftstücke niederschreiben.
Man hatte sich also nicht auf das Gedächtnis der Muslime allein verlassen, sondern zog die schriftlichen Aufzeichnungen mit ein und glich sie mit den memorierten ab.
Eine Besonderheit dieser Methode lag in der Einbeziehung der gesamten muslimischen Gemeinschaft. Bei keinem konnte so das Gefühl des Ausgeschlossenseins aufkommen. Dies stärkte zum einen die Qualität des Materials aufgrund der Masse der Schriftstücke und der erhöhten Vergleichbarkeit gleicher Verse. Zum anderen stärkte es das Gemeinschaftsgefühl, denn alle hatten einen wichtigen Teil zum Ergebnisses beigetragen. Es war also kein geheimer Kreis ausgewählter Personen, die hinter dem Rücken der Anderen allein arbeiteten.
Am Ende war das gesammelte Werk, der so genannte „Suhuf“, unter Mitwirkung aller Gläubigen erstellt worden und entsprach ohne die geringste Abweichung dem, was in den Gedächtnissen der Gläubigen fest verankert war.
8. Über den Ursprung des Qur'an
Bereits zur Zeit des Propheten (Allahs Segen und Frieden seien auf Ihm) gab es Menschen, die glaubten, der Qur'an sei von Muhammad selbst geschaffen worden und nicht durch Gott. Auch heute noch gibt es eine Vielzahl an Theorien um die Frage, welchen Ursprung der Qur'an haben könnte. Folgende Überlegungen basieren zum einen auf dem Buch von NjoziNjozi, Hamza Mustafa: Ursprung des Korans. Untersuchung der Urheberschaftstheorien : Karlsruhe. Andalusia-Verlag 2005, S. 54f und 60f . mit dem Titel „Ursprung des Korans. Untersuchung der Urheberschaftstheorien.“ Der Autor, anders als es hier geschieht, geht sehr ausführlich bei seinen Analysen vor, da er beispielsweise die Quellen anführt über die Orientalisten, die sich zum Ursprung des Qur'ans geäußert haben. Für diesen Text jedoch sollen die Thesen alleine genügen. Da diese mittlerweile den Charakter eines Alltagswissens erlangt zu haben scheinen, wird auch keine Quelle nötig sein, um zu Beweisen, dass diese nicht zum reinen Selbstzweck der Muslime selbst in die Welt gesetzt wurden. Zum anderen basieren sie auf dem bereits mehrfach zitierten Buch von SuleimanSuleiman, Samir: Der Islam muss kein Rätsel sein : Aachen. Shaker Media 2009, S. 132 ff. „Der Islam muss kein Rätsel sein.“
Genau genommen sollen zwei Thesen behandelt werden:
- Muhammad selbst ist der Verfasser des Qur'ans. Inspiriert durch Meditation, Nachdenken und/oder
- durch jüdische und christliche Quellen.
Beide Autoren widerlegen sehr ausführlich diese Thesen. Es werden im Folgenden die wichtigsten Argumente zitiert. Für weitere Thesen zum Ursprung des Qur'an und deren Widerlegung empfiehlt es sich, beide Bücher zu lesen. Ganz grundsätzlich lässt sich zum Propheten Muhammad sagen, dass er Analphabet war, also des Lesens und Schreibens unkundig, und sich die Sprache seiner Ahadith mit der des Qur'an eindeutig unterscheidet. Dieses Argument wird auch von beiden Autoren an verschiedenen Stellen herangezogen. Der Leser wird dennoch gebeten, sich dies vor Augen zu halten.
Einwände durch Suleiman:
- „Der Qur'an steht (...) zu naturwissenschaftlichen Gegebenheiten nicht im Widerspruch. (...) Oft handelt es sich dabei um Erkenntnisse, die erst in der Neuzeit und mitunter auch erst vor einigen Jahrzehnten entdeckt wurden. Durch Meditation oder Nachdenken können derartige Übereinstimmungen sicherlich nicht erreicht worden sein. Noch dazu war Muhammad weder Wissenschaftler noch Philosoph. Er war des Schreibens nicht mächtig, geschweige denn beherrschte er irgendwelche Fremdsprachen. Ob und wie gut er das Lesen zumindest im fortgeschrittenen Alter erlernt hatte, ist in der Wissenschaft bis heute umstritten. In seiner Kindheit arbeitete Muhammad nahezu ausschließlich als Hirte, später als Händler. Auch lebte der Prophet nicht in einer der Weltmetropolen der damaligen zeit, wo er derartige Themen mit byzantinischen oder persischen Gelehrten diskutieren hätte können, sondern in einer abgelegenen sowie gesellschaftlich und intellektuell eher primitiven Wüstenregion. Er hatte keinen Zugang zu den damaligen intellektuellen Zentren, wie beispielsweise der Akademie von Gundischapur (im heutigen Südwestiran) oder zu den Bibliotheken Konstantinopels, um dort das Wissen seiner Zeit zu studieren. Abgesehen davon hätten ihm als Araber hierfür bereits die fremdsprachlichen Fähigkeiten gefehlt. Und auch wenn Muhammad Zugang zu derartigen Wissensquellen gehabt hätte, was nachweislich nicht der Fall war, dann wäre es obendrein absurd zu behaupten, Muhammad sei in der Lage gewesen, zwischen den korrelten und den unzutreffenden Vorstellungen seiner Zeit zu unterscheiden oder zufälligerweise immer das wissenschaftlich Korrekte für „seinen Quran“ auszuwählen. Hinzu kommt, dass sicherlich nicht einmal die gesamten Bibliotheken des 7. Jahrhunderts zusammen alle im Qur'an erwähnten Aspekte zutage gebracht hätten. Wäre der Qur'an „Muhammads Werk“, so müsste er doch wenigstens an einer einzigen Stelle im eindeutigen Widerspruch zu heutigen, wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen stehen.
- Wäre der Prophet der „Erfinder“ des Qur'an gewesen, so stellt sich die Frage, weshalb er darauf bedacht war, zwischen seinen eigenen Aussagen – den Ahadith – und dem Qur'an in der uns bekannten Sorgfalt zu trennen. Auch stellt sich die Frage, weshalb sich die Sprache der Prophetenaussagen (arab.: Ahadith) derart von der Sprache des Qur'an unterscheidet.
- .Auch die Art und Weise sowie die zeitliche Abfolge der sukzessiven Herabsendung des Qur'an widerspricht der These, Muhammad habe ihn selbst verfasst. Denn dieser sah sich durch das Ausbleiben qur'anischer Sendungen manchmal ernsthaft Konfliktsituationen ausgesetzt. So etwas in bekannten Fällen, in denen sein Umfeld ihn unter massiven Druck setzte, da von ihm eine qur'anische Antwort auf eine Frage bzw. zur Lösung eines Problems erwartet wurde, er jedoch bis zur entsprechenden – teilweise über Wochen auf sich warten lassenden – Sendung nichts dazu sagen konnte. Wäre er selbst der Urheber des Qur'an gewesen, hätte er solche Situationen leicht vermeiden können.
- Zwar kam Muhammad mit Andersgläubigen in Kontakt, so etwa einmal als 12-Jähriger auf einer Handelsreise im syrischen Busra mit dem christlichen Mönch Bahira. Überdies kannte er den christlichen Waraqa Bnu Naufal, der allerdings bereits kurz nach der ersten Offenbarung des Qur'an verstarb. All diese Kontakte waren von sehr kurzer Dauer, und überdies hätten auch andere Personen im die Sprache und Inhalte des Qur'an nie vermitteln können. Im übrigen unterscheidet sich der Qur'an stilistisch völlig, aber auch inhaltlich ganz erheblich vom Alten und Neuen Testament, die noch dazu in der Zeit Muhammads nicht in arabischer Sprache zugänglich„Die erste arabische Ausgabe des Alten Testaments erschien erst 200 Jahre nach dem Tode des Propheten (s), und die älteste arabische Fassung des Neuen Testaments wurde 1000 Jahre nach dem Tode Muhammads (s) veröffentlicht.“ Jjozi zitiert Hughs (Njozi 2005, S 56). waren.“
- „Warum ist es, trotz des reichhaltigen geschichtlichen Materials über Muhammads (s) Leben und trotz der jahrhundertelangen intensiven Forschung über seine Biographie, seinen schärfsten Kritikern nicht gelungen, den mysteriösen (christlichen oder jüdischen) Lehrer, mit dessen Hilfe Muhammad (s) alles gelernt haben soll, zu finden?
- Bekanntlich wurde Muhammad (s) von seinen eigenen Zeitgenossen fast 13 Jahre lang bekämpft, verspottet und verfolgt. (...) Es war ihnen (dennoch) nicht möglich, die menschliche Quelle oder die Quellen seiner Lehren zu entlarven und diese beim Namen zu nennen. (...)
- Warum sind viele Juden und Christen zu seiner Zeit Muslime geworden und haben an seine Wahrhaftigkeit geglaubt, wenn sie doch wussten, dass er ihre Schriften kopierte oder von ihren Priestern und Rabbinern lernte?
- Es ist bekannt, dass manche koranischen Offenbarungen an Muhammad (s) in Gegenwart anderer Menschen erfolgte. Der Koran wurde in einem Zeitraum von 23 Jahren offenbart. Wo war dann dieser mysteriöse menschliche Lehrer Muhammads (s)? Wie konnte er sich so lange zeit verstecken? Oder wie konnte Muhammad (s), der ständig von Anhängern umgeben war, 23 Jahre lang regelmäßig diesen mysteriösen Lehrer heimlich besuchen, ohne dabei auch nur ein einziges Mal erwischt worden zu sein?“ (Njozi 2005, S 45f)
Eine andere Art der Beweisführung geht weg von der Suche nach den potentiellen jüdischen und christlichen Lehrern. Sie liegt in der direkten Untersuchung der sprachlichen und inhaltlichen Unterschiede des Qur'an und der Bibel. Dabei fällt eine derartige Diskrepanz auf, sodass die Behauptung, der Qur'an sei jüdischen oder christlichen Ursprungs im Sinne einer Kopie der Lehre, geradezu lächerlich erscheint. Dies heißt nicht, und das ist ganz wichtig, dass es keine Ähnlichkeiten zwischen den Büchern gibt. Der Qur'an ist keine neue Religion. Viele Prophetengeschichten, beispielsweise, die die Bibel kennt, finden sich auch im Qur'an wieder (siehe Islam – was ist das?). „Die Ähnlichkeit zwischen zwei Texten alleine oder zwei Büchern bedeutet (jedoch) nicht zugleich, dass die neuere Fassung von der älteren kopiert wurde. Beide könnten auch auf einer gemeinsamen dritten Quelle basieren. Und genau das ist die Argumentation des Korans.“ (Vgl. ebd., S. 57)
Es sind also andere Unterschiede gemeint. Unterschiede, die „weitreichende dogmatische oder theologische Auswirkungen“ (Ebd., S. 61.) zur Folge haben und den Qur'an als eine Kopie der Lehre ausschließen lassen:
„Die Bibel ist nicht ein einziges Buch, sondern eine Sammlung von mindestens 66 Büchern nach der protestantischen Fassung oder 73 nach der Katholischen Version, die von mindestens 40 Autoren geschrieben wurden. (...) (Zudem) ist die Bibel eine Mischung aus göttlichen Aussagen und menschlichen Kommentaren späterer Anhänger (siehe etwa Jeremiah 8:8, Lukas 1:1-4 und 1. Korinther 7:25). Der Koran enthält keinerlei solcher Kommentare, nicht einmal die Worte des Propheten Muhammad (s) (Anm. islamkennenlernen.de: Ahadith) sind Teil des Korans. (...) (Des Weiteren) erzählen die vier Evangelien im Neuen Testament die Lebensgeschichte von Jesus (a.s.) und seiner Mission. Der Koran ist keine Biographie über Muhammad (s), die von seinen Gefährten geschrieben wurde. (...) (Auch) gibt es innerhalb der Bibel einige Bücher, die viele Jahre nach dem Tode dieser Propheten niedergeschrieben wurden – zum Teil nicht einmal in der Muttersprache dieser Propheten. Daher tauchen bei der Analye dieser Texte eine Reihe von Schwierigkeiten auf. Der gesamte Koran wurde zu Lebzeiten des Propheten (s) niedergeschrieben und von Hunderten von Menschen in seiner Originalsprache (Arabisch) auswendig gelernt. (...) (Dazu kommt, dass) die vier kanonischen Evangelien nicht die einzigen Evangelien (waren). Die Entscheidung, welche teile zur Bibel gehörten und was weggelassen werden sollte, wurde dem menschlichen Urteilsvermögen überlassen. Im Islam gab es keine Konferenzen darüber, welche Sure in den Koran aufgenommen werden sollte und welche nicht.
Die Ansicht, der Koran enthalte Teile aus der Bibel, ist außerdem durch die Existenz grundsätzlicher Glaubensunterschiede zwischen beiden Texten anfechtbar. Die Ähnlichkeiten sind oberflächlicher Natur. Im folgenden seien einige dieser Unterschiede aufgeführt:
Die biblische Gottesvorstellung unterscheidetGenesis 1.26: „Und Gott sprach: Laßt uns den Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich!“ oder Genesis 9:6: „denn nach dem Bilde Gottes hat er den Menschen gemacht“. (Die Heilige Schrift, R. Brockhaus Verlag Wuppertal) Vergleiche diese Passagen mit dem Koran: „Sprich: Er ist der eine gott. Allah, der Absolute. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt. Und es gibt keinen, der Ihm gleicht.“ Sure 112 oder „Nichts ist Ihm gleich.“ Sure 24:11. sich recht stark vom koranischen Gottesbild (siehe Gottesbild im Islam). In der Bibel wird Gott mit menschlichen Zügen beschrieben. Er wird dargestellt als jemand, der ermüdet und ErholungGenesis 2:2, Genesis 2:3, Exodus 20:11. Bezüglich Gottes Vergesslichkeit siehe Genesis 8:1 und Exodus 2:24. Vergleiche mit Koran 2:115, 6:3. braucht. Gott spaziert im Paradiesgarten, ein Mensch kann sich vor Ihm verstecken, und um das Versteck ausfindig zu machen, muss Gott ihn suchen.Genesis 3:8-11. Vergleiche mit Koran 2:115, 6:3. “ (Njozi 2005, S 57f.)
Beschreibungen, die Gott vermenschlichen, gibt es in der Bibel noch zahlreiche mehr. Es wird sogar berichtet, Gott habe mit Jakob gerungen und den Kampf verloren. (1.Mose Kapitel 32 Vers 23 -30 .) Und ganz gleich, wie nun diese Verse auszulegen sind, so zeichnen sie doch ein spezifisches, sehr vermenschlichtes, Bild von Gott. Ein Bild, das dem islamischen Verständnis von Gott – zumindest in diesem Punkt – nicht entfernter sein könnte. „Derartige Beschreibungen sind dem Koran nicht nur Fremd, sondern gelten auch als blasphemisch gegenüber der Erhabenheit Gottes.“ (Njozi 2005, S 58.)
Aber nicht nur im Gottesbild unterscheidet sich der Qur'an von der Bibel. Auch im Verständnis über die Charaktereigenschaften der Propheten. Im Qur'an sind alle Propheten, ohne Ausnahme, die besten Beispiele und Vorbilder für Frömmigkeit, Aufrichtigkeit und schöne Charakter (siehe Qur'an 21:27 und 22:52 und viele mehr). In der Bibel wird man hingegen auf viele bedeutende Propheten stoßen, denen große Sünden in Glaubensangelegenheiten und Moral zugeschrieben werden. Im folgenden eine kleine Auswahl solcher schändlichen Taten (Njozi 2005, S. 59f.):
- Aaron habe Götzen verehrt (Exodus 32:1-20.), Salomo hätte eine Neigung zur Götzenverehrung gehabt. (1. Buch der Könige 11:4.)
- Abraham sei eine blutrünstige Ehe mit Sarah eingegangen oder ein unehrenhafter Lügner gewesen. (Genesis 12:10-20 und 20:2-18.)
- Lot habe betrunken Inzest mit seiner Tochter begangen und er solle seine Töchter an die lüsternen Männer von Gomorrah übergeben haben, mit dem Angebot, sie könnten mit ihnen machen, was sie wollen. (Genesis 19:30-38 und 19:8.)
Des Weiteren finden sich noch „ GlaubensunterschiedeEine Detaillierte Diskussion findet sich bei: G. Miller, Missionary Christianity, o. Datum u. Verlag, S. 1-38. in Bezug auf Jenseits, Lebenseinstellung und die Vorstellung von Erlösung.“ (Njozi 2005, S 60.)
Die Geschichte von Adam und Eva in der Bibel ist in ihrer Bedeutung und dogmatischen sowie theologischen Auswirkung völlig verschieden von der des Qur'an.
- „Die Bibel sagt, dass es der Baum der Erkenntnis war, der Koran jedoch macht keine solche Bemerkung. Laut dem Koran besitzt der Mensch von Natur aus Wissen über Gut und Böse, und Adam (as) wurden die Namen aller Dinge sogar vor seinem Ungehorsam gelehrt. (Genesis 2:16-17. Vergleiche mit Koran 91:7-8, 2:31-33.)
- Im biblischen Bericht trägt die Frau die Last dieser Verfehlung, und als Strafe vermehrt Gott ihre Qualen bei der Geburt. Es gibt keinen einzigen Vers im Koran, der in irgendeiner Weise andeutet, dass die Frau die Hauptverantwortung für diese Verfehlung trägt. Außerdem wird die Schwangerschaft im Koran als etwas edles und lobenswertes beschrieben. (Genesis 3:12-17. Vergleiche mit Koran 29:8, 46:15.)
- In der Bibel wird Eva durch den Teufel in Gestalt einer Schlange verführt. Nach dem Koran verführte der Teufel beide; eine Schlange oder ähnliches wird nicht erwähnt. (Genesis 3:1-7. Vergleiche mit Koran 2:26, 7:20)
- Nach ihrem Ungehorsam wird in der Bibel überhaupt nicht erwähnt, dass Adam (as) und Eva ihre Tat bereuen, während der Koran genau diesen Punkt hervorhebt. Laut Koran bereuen beide ihre Tat und Gott vergab ihnen. (Koran 2:37, 7:23)
- Die Bibel gibt zu verstehen, dass das Leben hier auf der Erde eine Art Bestrafung sei, während es nach dem Koran Gottes Wille war, schon bevor er die Menschen erschaffen hatte. (Genesis 3:17-19. vergleiche mit Koran 2:30.)
Die Geschichte hat die fatalen Auswirkungen auf das Frauenbild gezeigt, verursacht durch die Zuschreibung, die Frau trage die alleinige Schuld am Sündenfall. Die Diffamierungen gingen soweit, dass sich christliche Gelehrte die Frage stellten, ob die Frau überhaupt eine Seele habe und ein vollkommener Mensch sei. Des Weiteren hatte der Sündenfall – nach christlicher Lehre – generell zur folge, dass Blut vergossen werden musste, damit sich die Menschen wieder mit Gott versöhnen konnten. „Nach dem Koran braucht Gott kein Blutvergießen, um dem Menschen zu vergeben.“ (Njozi 2005, S 62.)
In diesem Stil lassen sich viele weitere Vergleiche ziehen, die eindeutig ausschließen lassen, dass der Koran ein Abschrieb der Bibel ist. So gibt es beispielsweise grundlegende „Unterschiede in den Geschichten über Abraham, Ismael, Isaak, Lot, Moses, und Jesus (Frieden sei auf ihnen allen).“ (Njozi 2005, S 62.) An dieser Stelle sollen die angefügten Beispiele jedoch genügen, um zu beweisen, dass die Auffassung, der Qur'an sei von der Bibel übernommen, eindeutig falsch ist. Wer mehr Interesse am Thema hat, dem seien die Bücher von Njozi und Suleiman empfohlen, deren Gedanken in diesem Kapitel überwiegend zitiert wurden.
9. Qur'anübersetzungVgl. Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.
Die Übersetzungen des arabischen, originalen Qur'antextes sind nur als ungefähre Bedeutung zu verstehen. Sie lassen sich nicht als „Qur'an“ bezeichnen. Vielmehr sind sie Bemühungen von Menschen, die Botschaft des Islams auch für Nicht-Araber verständlich zu machen.
Während man mit „Qur'an“ im eigentlichen Sinne das mündlich Vorgetragene bzw. den inhaltlichen Text meint, wird die schriftliche Form – also auch das gedruckte Buch im Einband - als „Mushaf“ bezeichnet. Wie kam es jedoch dazu, dass der Qur'an zu einem Buch wurde?
10. Kriterien für eine qualifizierte Qur'an-AuslegungVgl. Suleiman 2009, S. 150ff.
In diesem Kapitel sollen einige wenige Punkte genannt werden, die der Leser einer Qur'anübersetzung aber auch Leser des Qur'ans berücksichtigen sollten. Dies gilt vor allen Dingen den so genannten „Islam-Kritikern“, die einzelne Verse aus ihrem Kontext reißen, um dann beispielsweise die Gewalttätigkeit des Islam „beweisen“ möchten. Ihnen sei gesagt, dass die Qur'an-Exegese, also die Qur'an-Auslegung, zu den komplexesten Bereichen der Islamwissenschaften zählt, da sie unter anderem folgende Punkte beinhaltet, die oft aufeinander aufbauen bzw. weitere Punkte mit sich ziehen: Der Quranexeget zeichnet sich unbedingt aus durch fundierte Kenntnisse...
- in der arabischen Sprache,
- der Biographie und Lebensweise des Propheten sowie
- über die Qur'an- und Hadithwissenschaft,
- die damals gängigen Sitten und Gebräuche auf der arabischen Halbinsel und
- das Qur'an-Verständnis der engeren ProphetengefährtInnen.
Es ist demnach grob fahrlässig, Verse ihrem Kontext zu entziehen, ohne mindestens die vorherigen und nachfolgenden Verse sowie den Herabsendungsanlass mitzuberücksichtigen. Jeder Vers wurde zu einer bestimmten Zeit (historischer Kontext), aufgrund bestimmter Umstände herabgesandt. Beispielsweise aufgrund einer Frage an den Propheten zu einer bestimmten Sache oder aufgrund einer Kriegssituation usw. Liegt über diesen Sachverhalt kein Wissen vor oder fehlt sonst eine der oben genannten Kriterien, ist eine Auslegung nicht gestattet und hat aus islamischer Perspektive keinen Wert. Da die überwältigende Mehrheit der so genannten „Qur'an-Experten“ nicht einmal die arabische Sprache beherrschen, sondern aufgrund irgendeiner Übersetzung ihre Thesen über „den Islam“ aufstellen, geschweige denn irgendeine andere der Bedingungen erfüllen, sind die Ergebnisse solcher „Wissenschaftler“ getrost zu vernachlässigen, von ihrem oftmals ideologisch motivieren Hintergrund abgesehen.
Den gleichen Bedingungen obliegt übrigens auch die Auslegung der Ahadith.
Um zu veranschaulichen, welche Konsequenzen eine inkompetente Auslegung einer religiösen Schrift haben kann, sei zweimal Jesus aus der Bibel zitiert:
„Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“ (Matthäus 10:34)
„Es ging aber viel Volks mit ihm; und er wandte sich und sprach zu ihnen: So jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwestern, auch dazu sein eigen Leben, der kann nicht mein Jünger sein.“ (Lukas 14:25-26)
Ohne den Kontext der Bibelstellen, aber auch ohne den Gesamtkontext der Bibel zu kennen, könnte man der „christlichen Lehre“ – die zwei Bibelstellen würden es ja „belegen“ – fälschlicherweise Blutrünstigkeit, Hass und Gewaltfreude unterstellt werden.
11. Empfehlung
Sollten Sie den Qur'an oder eine andere religiöse Schrift lesen oder lesen wollen, empfehlen wir Ihnen die Ausarbeitung „Sieben Kriterien“ (siehe Sieben Kriterien). Dieser Text behandelt Kriterien, die der interessierte Leser kritisch jeder Schrift, die einen göttlichen Ursprung für sich beansprucht – im Sinne einer Frage – stellen sollte, um den Wahrheitsgehalt dieses Anspruches zu überprüfen.
12. Quellen
- Halm, Heinz: Der Islam, Geschichte und Gegenwart : München 2005.
- Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.
- Njozi, Hamza Mustafa: Ursprung des Korans. Untersuchung der Urheberschaftstheorien : Karlsruhe. Andalusia-Verlag 2005.
- Rassoul, Muhammad: Tafsir, Al-Quran Al-Karim. Arcelmedia
- Suleiman, Samir: Der Islam muss kein Rätsel sein : Aachen. Shaker Media 2009
- islam-pedia.de/Quran

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