Gottesbegriff im Islam
Der vorliegende Text befasst sich inhaltlich mit dem Gottesbegriff und -verständnis des Islam. Eingeleitet wird die Abhandlung mit der linguistischen Betrachtung des Wortes "Gott".
Definition des Wortes „Gott“
Bevor auf den Namen „ALLAH“ eingegangen wird, soll eine kurze Einleitung zeigen, was das Wort „Gott“ im ursprünglichen Sinne bedeutet. Hierzu dient zunächst einmal eine sprachliche Erklärung. Der Wortstamm des Wortes „Gott“ stammt aus dem Indogermanischen. Die Verbalwurzel „Ghau“ bedeutet „(an)rufen“. Das Wort „Gott“ soll also denjenigen bezeichnen, der „angerufen“ bzw. der angebetet wird. Folglich macht es rein sprachlich keinen Sinn von der Existenz Gottes überzeugt zu sein, ohne mit Ihm eine Beziehung zu führen. Die Geisteshaltung, von Gott überzeugt zu sein, Ihn aber nicht anzubeten, hat sich erst vor ca. 300 Jahren in Europa, ausgegangen von England, entwickelt. Damals wollte man dem Machtmissbrauch der Kirche und Herrscher entgegenwirken und lehnte die Legitimierung der Herrschaft ab. Gott hingegen gänzlich zu leugnen, kam für die Vertreter dieser Bewegung zwar nicht in Frage, jedoch wurde jede Religion als von Menschen erfundenes Instrument der Machtausübung angesehen und folglich abgelehnt. Übrig blieb das entstellte Bild eines Gottes, der lediglich alles erschaffen hat, jedoch weder Führung für die Menschen anbietet, noch sie zu höherem Daseinssinn als den der Tiere und Pflanzen schuf.
ALLAH
ALLAH ist die arabische Bezeichnung für "den einen Gott" und wird von Muslimen statt dem deutschen Wort "Gott" bevorzugt benutzt, da der Begriff "ALLAH" im Gegensatz zu "Gott" weder männlich, weiblich noch sächlich ist, über keine Pluralform verfügt und überdies – nach Meinung vieler Gelehrter – keine Wortwurzel besitzt, von der es nach den Regeln der arabischen Grammatik abgeleitet werden könnte. Somit beinhaltet der Name "ALLAH" bereits einige der wichtigsten Attribute des Schöpfers, nämlich dessen Einzigkeit, Geschlechtslosigkeit und außerdem den Umstand, dass ALLAH als der ungeschaffene Schöpfer allen Seins selbst keine Schöpfung darstellt. Mit diesem Namen wurde Der Schöpfer seit Anbeginn, lange vor dem Gesandten Muhammad (saw / ALLAHS Segen und Frieden seien auf ihm) benannt. So kannten auch die Götzenanbeter Arabiens diesen Namen und auch die damaligen Juden und Christen riefen ihren Herrn mit dem Namen „ALLAH“ an. Und auch heute noch wird der Name „ALLAH“ von arabischen Juden und Christen verwendet.
In der folgenden Sura (Kapitel) des Koran beschreibt sich ALLAH selbst:
„Sprich: „Er ist Allah, ein Einziger, Allah, der Absolute, (Ewige, Unabhängige, von Dem alles abhängt). Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und Ihm ebenbürtig ist keiner.“ (Sura 112)
ALLAH: Kein spezieller Gott der Muslime, oder der Araber
Eines der vielen Vorurteile über den Islam stellt sich in dem Vorwurf dar, die Muslime sähen in ALLAH einen besonderen Gott der Muslime oder Araber. ALLAH wird im arabischen Sprachraum von allen Religionen – von arabischen Juden, arabischen Christen und Muslimen – als feststehender Ausdruck für die Realität des Schöpfers benutzt. Zwar ist es richtig, dass sich das Gottesbild im Islam von dem anderer Buchreligionen in gewisser Hinsicht unterscheidet – so lehnt der Islam die Ideen der Dreifaltigkeit oder eines „Gottessohns“ ab. Aus islamischer Perspektive jedoch handelt es sich bei allen monotheistischen Religionen um ein und denselben Gott, der Seine Botschaften an Propheten wie Abraham, Moses, Jesus oder Muhammad entsandte (Frieden sei cauf allen). Dies, weil der Islam alle Gesandten und Propheten, die vor Muhammad (saw) entsandt wurden, völlig selbstverständlich anerkennt und ein und derselben gemeinsamen Quelle zuschreibt. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass Gott selbst im Aramäischen, der Sprache Jesu, "ALLAH" heißt. Dies führt zu der Annahme, dass selbst Jesus (Friede sei mit ihm) mitunter den Namen ALLAH benutzt haben dürfte, wenn er von Gott sprach.
Warum „Wir“ – ist Er nicht ein einziger Gott?
Im Qur'an spricht ALLAH oft von Sich im Qur'an, indem er die Personalpronomen „Wir“ (nahnu) und „Er“(huwa) verwendet. Wenn ALLAH „Wir“ (nahnu) in Bezug auf Sich benutzt, so tut Er dies, um Seine Erhabenheit auszudrücken. Dies ist auch in anderen Sprachen möglich und üblich. Besonders Könige und Herrscher bzw. ihre Untergebenen verwendeten diesen so genannten „Pluralis Majestatis“. Als Beispiel hierfür dürfte die Anredeform „eure Exzellenz“ oder „eure Majestät“ bekannt sein, wie man sie beispielsweise aus Filmen kennt.
Das Personalpronomen „Er“(huwa) kann im Arabischen für die Bezeichnung von etwas männlichen, für eine Sache deren Geschlecht unbekannt ist oder für etwas benutzt werden, was kein Geschlecht besitzt. Auch für Engel, die geschlechtslos sind, wird im Qur'an „er“ als Personalpronomen verwendet.
Quellen:
- Vgl. islam-pedia.de/ALLAH
Vgl. Johari, Mohammed: Eine Hörreise zum Qur'an. Amana Media 2007.

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