"Dschihad" - was ist das?
"Der Dschihad" - kaum ein Thema wird, neben "Der Frau im Islam", mit mehr Begeisterung für geldbringende Schlagzeilen durch die Medien inszeniert wie dieses. Dabei wird der Begriff nicht nur durch die ständige Übersetzung in "Heiliger Krieg" verunglimpft. Aber was nun bedeutet "Dschihad"? Folgender Beitrag gibt Antworten.
Sprachliche BedeutungSinngemäße Teilübersetzung aus dem englischen von islamvoice.com.
Rein linguistisch gesehen bedeutet das arabische Wort „Dschihad“ soviel wie „sich abmühen“, „kämpfen“ oder „streben“ und meint jede Form der Anstrengung, egal von wem diese ausgeübt wird. In diesem Sinne macht jeder Schüler einen „Dschihad“, wenn er sich darum „bemüht“, „kämpft“ oder danach „strebt“, sich Wissen anzueignen oder seine Ausbildung abzuschließen. Natürlich trifft dies auch auf einen jeden Arbeitnehmer zu, der seinen „Dschihad“ darin zu bewältigen hat, seine Arbeit gut zu machen und die Beziehungen zum Arbeitgeber oder seinen Arbeitskollegen zu pflegen. Auch Politiker vollziehen in diesem Sinne einen „Dschihad“, in dem sie sich beispielsweise darum „bemühen“, ihre Popularität aufrechtzuerhalten oder neue Wähler zu gewinnen. Der Begriff des „Dschihad“ kann des Weiteren sowohl durch Muslime als auch durch Nichtmuslime Anwendung finden; ein Beispiel hierfür finden wir im Qur'an in der Sure 29:8 (siehe auch Sure 31:15):
"Und Wir haben dem Menschen anbefohlen, seine Eltern mit Güte zu behandeln. Wenn sie sich aber darum bemühen („Jahadaka“ von „Dschihad“), dass Du Mir das beigesellst, wovon du kein Wissen hast, dann gehorche ihnen nicht. Zu Mir wird eure Rückkehr sein, da werde Ich euch kundtun, was ihr zu tun pflegtet."
In beiden Versen sind es Nichtmuslimische Eltern, die einen „Dschihad“ vollziehen, sich also darum bemühen („Jahada“), ihre Kinder weg vom Islam und zurück zu ihrer eigenen Religion zu bringen.
Im Westen wird häufig „Dschihad“ ganz selbstverständlich mit „Heiliger Krieg“ übersetzt – ein „Bild“, das gerade durch die Medien an Popularität gewann. Werden die Worte „heiliger Krieg“ in das Arabische zurückübersetzt, finden wir "harbun muqaddasatun" bzw. "al-harbu al-muqaddasatu". Beide Bezeichnungen wird man vergeblich im Qur'an (siehe „Koran“ - Was ist das), in authentischen Hadith-Sammlungen (siehe Sunna und Hadith) oder auch in der frühen islamischen Literatur suchen müssen. Die Wortkonstruktion hat ihre Wurzeln in den Kreuzzügen und ist in diesem Sinne sogar ein „christlich“ geprägter Begriff.
Wie bereits eingangs erwähnt, bezieht sich der Begriff des „Dschihad“ für Muslime auf alle möglichen Formen von „sich abmühen“. Im Laufe der Zeit haben sich jedoch spezifischere Bedeutungen herausgebildet. Diese Entwicklung fand auf der Basis des Qur'an und der Ahadith statt. Es folgt eine kurze Zusammenstellung nach Suleiman (Suleiman 2009):
Formen des Dschihad
Dschihad der Seele
"Der „Dschihadu-n-Nafs“ bezeichnet den lebenslang andauernden Kampf des Muslims gegen seinen eigenen Egoismus, seine eigene Selbstsucht und seine eigene Triebhaftigkeit. Aufgrund seiner fortwährenden Beständigkeit wurde der „Dschihad der Seele“ von manchen Gelehrten auch als der „größte Dschihad“ überhaupt (arab.: Al-Dschihadu-l-akbar) bezeichnet.
Dschihad des Wissens und des Wortes
Der „Dschihadu bi-l-'Ilm“ zeichnet sich dadurch aus, dass Muslime Wissen – insbesondere zum Islam, aber auch zu allen anderen nützlichen Bereichen – erwerben und weitergeben. Auch zeichnet er sich dadurch aus, dass über Wissensvermittlung Ungerechtigkeiten und andere Missstände mit dem Ziel angeprangert werden, diese zu beseitigen. So sagte der Prophet Muhammad auf die Frage eines Gefährten, was denn der beste Dschihad sei:
„Ein wahres Wort in der Gegenwart eines ungerechten Machthabers!“ *Überliefert bei An-Nasa'i, Band 7, S. 161, Hadith Nr. 4209.
Dschihad des Vermögens
Der „Dschihadu bi-l-Mal“ zeichnet sich dadurch aus, dass Muslime ihr Vermögen auf dem Wege Allahs einsetzen. Besonders empfohlene Beispiele dafür sind freiwillige Zahlungen für Waisen oder andere Bedürftige.
Weitere gewaltlose Formen des Dschihad äußern sich dadurch, dass ein Muslim zum Beispiel für das Wohl seiner bedürftigen Eltern sorgt, eine Krankheit geduldig übersteht, schlichtend zwischen Streitparteien eingreift oder andere gewaltlose Anstrengungen im Streben nach Allahs Wohlgefallen auf sich nimmt.
Dschihad des Schwertes
Der „Dschihadu bi-s-Saif“ schließlich bezeichnet die „gewaltsame Anstrengung“. Falls eine sollche unvermeidbar geworden ist, handelt es sich aus islamischer Perspektive dabei nicht nur um ein Recht, sondern um eine religiöse Pflicht, so zum Beispiel im Falle von Selbstverteidigung gegen einen Raubüberfall oder im Falle eines Verteidigungskrieges gegen einen Angreifer oder Besatzer.“ *Suleiman, Samir 2009, S. 223, 224.
Quellen
- Suleiman, Samir: Der Islam muss kein Rätsel sein : Aachen. Shaker Media 2009, S. 223, 224.
- Sinngemäße Teilübersetzung aus dem englischen des Textes „JIHAD EXPLAINED“: islamvoice.com

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